Archive for the ‘Das Biest in den Medien’ Category

Quote of the Day: Descartes‘ „beast-machine“

18. Juli 2010
Just another bird machine: Descartes

Just another bird machine: Descartes

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„If Brutes, as Learned Bards of late would prove,

Are only Engines, and like Clock-work move,

Say, how my dearest Bird, my charming Dove,

Knows that destructive Ill, has sense of love?“

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The quote has been taken from “The Turtle, an Elegy, by Clarissa” in The Gentleman’s Journal, or the Monthly Miscellany, III, published in August 1694 (p. 222).  The poem is a reaction to Descartes’ notion of animals being nothing more than spirit-less machines. The author wants to point out that he or she does believe in the existence of an an animal soul, that they are capable of emotions.

This idea of the „beast-machine“, however, had a great impact on how animals were regarded and treated in Europe throughout the 18th and 19th century. It allowed scientists to mistreat animals for scientific experiments without having to care about issues of emotion or pain. Thus a very common method of anatomic research in the 18th and 19th century was vivisection, i.e. cutting open animal bodies while they were still alive.

It has been argued amongst scholars whether Descartes himself might not have been convinced that human beings were machines as well, just like later Julien Offray de la Mettrie wrote in his famous book L’homme machine. If so, Descartes must nonetheless have feared the harsh reaction by the church, like towards his friend Galileo Gallilei, so that he might have suppressed the idea and hid it from the public. This way he only allowed animals to be soulless, whilst leaving space for the superiority and god-like appearance of the human race.

Der Waschbärenflüsterer – Tiere schaffen Arbeitsplätze und kurbeln Wirtschaft an (Nachtrag zum Ende der Katzenklappe)

5. Juli 2010

In den USA scheint weniger die Katzenklappe in Gefahr, sondern ein wirtschaftlich wichtiges Konsumgut. Zwei Waschbären haben sich direkt an die Quelle des Glücks begeben – den Pepsi-Automaten. Auf der Suche nach Cargo wurden sie zum selbigen – Münzen rein, Waschbär raus. Zero Pepsi.  Natürlich löste auch dies Angst aus, aber keine Spur von Panik oder Ratlosigkeit – aus Angst entstehen schließlich Arbeitsplätze. Und wo man Wachstum predigt, gibt’s auch welches. Und siehe da: schon eröffnet sich ein neuer Markt und bietet die Lösung. Ein „Raccoon Whisperer“ für jeden Pepsi-Automaten in den USA, für jeden Katzenklappenhaushalt in Deutschland – damit wäre schon mal die Zahl der Arbeitslosen um die Hälfte reduziert. Das Tolle ist: der holt die da nicht nur raus, sondern kriegt sie auch da rein! Sicherer fühlt man sich noch dazu. Alles prima.  So funktioniert Wirtschaft, so läuft Politik. Die USA lernt vom Waschbär. So einfach ist das. Und Pepsi schmeckt jetzt noch viel besser. „Zero Pepsi“ (mit echtem Waschbärabdruck) statt Coke Zero.

Bandenkrieg und Gelähmtheit in Deutschland, Wirtschaftswachstum in den USA. Und das alles dank dem Tier. Weil der Arbeiter tot ist (siehe Hasennachrichten).  An dieser Stelle, als kleiner Ausblick, sei nur einmal daran erinnert, daß es in der DDR ein Werbeplakat zum Anruf des Wirtschaftswachstums  gab mit dem Slogan: „Aus den Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen.“ Daß ein Großteil der damaligen Arbeiter das miß- oder eben gerade richtig verstanden hat, nur die Politik nicht, hat zu dem geführt, was bekannt ist. Da kann man sich was abgucken. Darin liegt ein Ansatz im Umgang mit der Krise. Sogar eine Utopie. Danke Waschbär! Klau weiter!

Quote of the Day: Voltaire

30. Juni 2010

(c) Michael Allman Conrad

Kein Hase, aber doch dem Tier verbunden: Voltaire

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„There are two things for which animals are to be envied: they know nothing of future evils, or of what people say about them.“

(Brief von 1739)

Das Ende der Katzenklappe

30. Juni 2010

Beschaffungskriminalität und Gewalt gegen Menschen – der Waschbär benimmt sich nicht und gerät zunehmend ins Visier.

Waschbären brechen immer häufiger in Eigenheime ein. Die Raubüberfälle versetzen ganze Wohnviertel in Angst und Schrecken. Familie B. aus H. konnte den Überfall auf Video festhalten. Frau B.: „Ich hatte Angst um meine Kinder“. Nichts für schwache Nerven.

Die Angriffe haben heftige Diskussionen über die Abschaffung der Katzenklappe in deutschen Gemeinden ausgelöst. Der Verband deutscher Hauskatzen protestiert. Die Mobilität der Katzen dürfe aus Angst vor dem dahergelaufenen Waschbären nicht gefährdet werden. Viele befürchten einen Bandenkrieg.

Naturellement-exotique-érotique: Naturalisierung, Sexualisierung und Vermenschlichung des Tieres

29. Juni 2010

Alles kommt aus der Natur: die Blume, das Tier, der Sport, Adam und Eva. Und Orangina. Orangina ist ganz natürlich, ist genau so Natur wie die Blume und das Tier. Vielleicht noch natürlicher als natürlich. Mann und Frau können sie jetzt nicht nur trinken, sondern sie auch als heilendes, reinigendes und sexualisierendes Wundermittel einnehmen und anwenden. Pickel, Bart- und Brusthaare, Mundgeruch, Schweiß, Dreck, das Singledasein – ja, sogar das Menschsein an seinen nicht so perfekten Stellen – alles kein Problem mehr. Das weiss das Reh genau so wie der Bär.

Orangina macht dich zum Tier. Natürlich. Exotisch. Wild. Und sauber.

http://www.orangina.fr/category/publicites/orangina-rouge/

http://www.orangina.fr/category/publicites/orangina/

http://www.orangina.fr/category/publicites/orangina-light/

http://www.orangina.fr/category/publicites/varietes/

Die schönsten Hybride seit es Limonade gibt. Das Heilsversprechen für ein Foto.

Interessant, dass diese Spots nicht von CocaCola kommen. Die würden diesen Natur(alisierungs)diskurs vermutlich auch nicht anpeilen. Vielleicht arbeitet Orangina im Sinne der französischen Regierung an einem neuen Menschenbild und begibt sich dabei auf eine gefährliche biopolitische Schönheits-, Kraft- und Hygienediskursebene: Nur die vermeintlich guten Dinge werden gepaart – der starke, wilde Körper des Tieres mit dem gesunden, sauberen, schönen Körper des Menschen (Ideal). Diese Kombination wird naturalisiert und unter menschlichem Blick auf das Tier sexualisiert, und selbst die Haut- bzw. Fellfarbe wird nach konstruiertem sexuellen Begehren ausgewählt. Bloß gut, dass es in der Tierwelt auch schwarze Tiere gibt… und so wird die Natur unser neuer Supermarkt und Konsumparadies – voll mit Körpern. Von Dir und mir, von ihr und ihm, von allen und allem, frei kombinierbar. Aber: nur die Harten komm‘ in‘ Garten. Der Weg ins Paradies ist kein Ponyhof, sondern der Weg von der Vorrunde bis ins Finale. Genau darin könnte überhaupt die Motivation, sich dem Tier zuzuwenden und Hybride herzustellen, liegen. Denn wenn wir alles vom Tier gelernt und kopiert haben, dann bleibt uns nur noch, mehr Tier-Maschine zu werden und uns zu re-kombinieren. Kampf und Leistung. Für mehr Wachstum. Für Frankreich. In Europa. Diese Gleichstellung von Mensch und Tier, die Versklavung des Tieres im Namen eines Leistungsprinzips sowie die Reduzierung auf eine allgemeine Kategorie mit bestimmten und bitte aber auch nur diesen äußerlichen, leistungsorientierten Qualitäten bedeuten zugleich einen Konservatismus und einen neo-liberalen Hybridismus als Gedankenfigur.

Vielleicht sollte sich Orangina einmal mit Frankreichs Vergangenheit als Kolonialmacht beschäftigen. Denn selbst wenn oder auch gerade weil diese Werbemusical-Spots, die an König der Löwen erinnern, für originell und passend zur Fussball-WM gehalten wurden, was den kolonialen Blick ja nur noch stärker entlarvt (Südafrika = exotische Tiere; das hat auch Galeria Kaufhof mit ihrer aktuellen Schaufensterwerbung perfekt verstanden), den Fussballern der französischen Nationalmannschaft hat’s jedenfalls nicht geholfen. Möglicherweise ein Grund mehr, darüber nachzudenken.

Breaking News: Waschbär-Attacken

29. Juni 2010

Immer häufiger finden sich Medienberichte über aggressive Zwischenfälle zwischen Waschbären und Menschen. Ein besonders drastischer Fall ereignete sich am 5.10.2009 in Lakeland, Florida: Die 74-jährige Gretchen Whitted wurde am helllichten Tage von einer 5-köpfigen Gruppe von Waschbären angegriffen und schwer verletzt.

Der für Polk County zuständige Sheriff Grady Shudd berichtete, dass Whitted versucht habe, die Tiere von ihrer Haustür zu verscheuchen, als sie sie plötzlich angriffen. Nachdem sie gestürzt war, fielen die Tiere über die Frau her. Davon trug sie schwere Kratz- und Bisswunden am ganzen Körper davon: vom Gesicht über die Brust bis hinab zu den Beinen.

Waschbaeren auf der FLucht

Dieses Foto wurde mit einem Mobiltelefon aufgenommen und soll die verdächtigen Waschbären bei ihrer Flucht zeigen

„Wir sprechen hier nicht nur von ein paar kleinen Bisswunden“, so Sheriff Grudd, „Sie wurde regelrecht filetiert“. Schon länger ist bekannt, dass Waschbären bei der Nahrungssuche äußerst aggressiv sein können. Diesen Fall bezeichnet Grudd jedoch als sehr ungewöhnlich.

Eine Nachbarin, die Schreie gehört hatte, fand Grettchen Whitted wenig später blutüberströmt im Vorgarten. Kurz darauf schwärmte die Polk County Animal Control aus, um in der Nachbarschaft Fallen aufzustellen. Die kommunalen Tierfänger hofften so, die schuldigen Waschbären einzufangen. Aber: „Selbst wenn wir eine Menge von Waschbären fangen, können wir dennoch nicht sicher sein, ob es sich tatsächlich um die verdächtigen Waschbären handelt“. Einmal eingefangen, werden die Tiere routinemäßig getötet, um festzustellen, ob sie tollwütig seien.

Ursprünglicher Artikel

Quote of the Day: Ludwig Wittgenstein

28. Juni 2010

Ludwig Wittgenstein, Philosoph (1889-1951)

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„Wenn der Löwe sprechen könnte,
wir könnten ihn nicht verstehen.“

Liebe, Glaube, Krokodil

27. Juni 2010

Es kamen drei Dinge zusammen. Das Plakat, der unkontrollierbare Zwang in meinem Hirn, jeden Schriftzug zu lesen und die Logik.
Und dann war da noch das Reizwort „Pony“.

„Das Plakat der 18-jährigen Janet Wagner aus Homburg überzeugte die Jury mit Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen“, heißt es auf Spiegel.de, wie ich jetzt weiß, gab es da einen Wettbewerb und dieses Plakat, hübsch wie es ist  schaffte es in den U-Bahnhof. Fein. Daher lese ich: „Hoffnung, Zukunft und ein Pony“.

Ich, liebe Leserin, soll diese Träume nicht platzen lassen, oder die, der liebe Bundestag, sollen sie nicht platzen lassen, die Träume von Kindern und Jugendlichen, die meine nicht sind. Übrigens ist aus der angegebenen Reihe „Hoffnung, Zukunft und ein Pony“ streng genommen nur das Pony ein Traum. Von Hoffnung träumen ist schon hoffen, Zukunft ist erstmal der Name für Dinge, die noch geschehen werden. Ich bin ja nicht blöd und verstehe schon aber auch wieder nicht, weil alle, die nicht eben gerade von der Straßenbahn überfahren wurden, eine Zukunft haben, eventuell auch die Überfahrenen.

Es bleibt: das Pony. Das Pony sperrt sich. „Pony“ ist auch unter schärfsten Kriterien ein zulässiger Traum.

Ich will aber gar kein Pony, nicht mal geschenkt. Ich dachte, ich hätte gerne den Ponyhof, genauer, ich hätte gerne, dass all die Dinge, die bekanntlich kein Ponyhof sind, doch ein Ponyhof sind. Dann kam das Pony, die blöde Kuh, das strenggenommen nicht zu trennen ist von dem Ponyhof. Ich will aber gar kein Pony.

Fazit: Der Ponyhof ist auch kein Ponyhof.

Quote of the Day: Mahatma Gandhi

25. Juni 2010
Mahatma Gandhi

Mahatma Gandhi

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„The greatness of a nation and its moral progress can be judged by the way its animals are treated.“

Elefantenhinrichtungen: Von der Strafbarkeit der Kreatur

25. Juni 2010
Einziges überliefertes Foto der Hinrichtung von Elefant „Big Mary“ am 13.09.1916

Einziges überliefertes Foto der Hinrichtung von Elefant „Big Mary“ am 13.09.1916

Das Foto wurde aufgenommen, um ein monströses Spektakel für die Nachwelt festzuhalten. Aus welchen Gründen, welcher Haltung heraus der Fotograf sein Foto aufnahm, ist nicht überliefert. Doch muss er sich der denkwürdigen Unfassbarkeit des Ereignisses bewusst gewesen sein. Vielleicht ahnte er, dass sich ein solches Vorkommnis nicht wiederholen würde. Vielleicht gefiel ihm aber auch das Spektakuläre als solches.

Man sieht einen Elefanten, der an einem Eisenbahnkran erhängt wurde. Im Vordergrund erahnt man noch die Schienen.  Die vier Beine des Elefanten hängen in der Luft, leb– und hilflos. Senkrecht steht die Kette, an welcher die Elefantenkuh aufgehängt wurde. Die Kette und Körper bewegen sich augenscheinlich nicht mehr.  Allein der Rüssel entspricht nicht dem Bild: Statt schlaff und tot herabzuhängen, scheint er auszuschwenken. Aber was weiß man schon darüber, wie ein erhängter Elefant auszusehen hat?

Man könnte das Foto als eine geschickte Montage abtun wollen. Es existieren aber zahlreiche Augenzeugenberichte, die das Ereignis in seiner Realität bestätigen. Das bekräftigt auch die weiße Schrift auf der Foto-Oberfläche: sie nennt Erwin, Tennessee, als den Ort und den 13. September 1916 als die Zeit. Was das Ereignis außerdem wahrscheinlich macht, ist, dass es sich bei „Big Mary“, die wir hier im Bild sehen, nicht um den ersten Fall einer öffentlichen Hinrichtung von Elefanten handelt. (more…)